Ernährung
Hier findet ihr Fütterungsbasics. Zu den Futtersorten haben wir extra Seiten: Frischfutter, Trockenfutter sowie Heu.
Es ist wichtig zu wissen, warum die Ernährung genau so sein sollte, damit man es für sich selbst argumentieren und dadurch auch berücksichtigen kann. Ich wünsche euch Spass beim Kennenlernen der Nahrungsbasics.

Mengenlehre
Wieviel Heu? Wieviel Frischfutter? Warum kein Getreide? Und was ist mit Trockenfutter?
Heu muss immer zur Verfügung stehen. In Rohfaser ist nicht viel Energie drin und unsere Meerschweinchen sind Rohfaserfresser. Das bedeutet, dass Meerschweinchen von Natur aus 60 bis 80 Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen, um ihre Energie für diesen Tag zu erhalten.

Heu bzw. die Rohfaser wird in ihrem Stopfdarm aufgespalten und die
Energie heraus gezogen. Der Stopfdarm ist einer der wichtigsten Unterschiede
zu uns Menschen. Unser menschlicher Darm hat eine Peristaltik, d.h. er ist
muskulös und schiebt den Nahrungsbrei Kraft seiner Muckis durch den
Körper. Bei Meerschweinchen schiebt die nächste Mahlzeit die vorherige
ein Stück weiter durch den Darm. Jetzt stellt euch vor, das Meerschweinchen
hat kein Heu mehr für seine 43. Mahlzeit des Tages. Nun schiebt nichts
mehr die 42 anderen Mahlzeiten voran. Die wenigen Darm-Muskeln beim Meerschweinchen
schaffen das einfach nicht. Und wenn nichts mehr voran geht, dann nennt
man das Verstopfung. Also immer ausreichend Heu anbieten.
In diesem Zusammenhang geht es auch um das Getreide. Wenn man ein Getreidekorn
nass macht, fängt es an aufzuquellen. Stopft man also viele Körner in einen Luftballon und gibt
ein wenig Wasser darauf, dann wird er nach und nach immer größer. Im Magen der
Meerschweinchen quellen Körner ebenso auf und füllen den Magen aus. Heißt, Schwein ist
satt. Pappsatt über Stunden. Nun frisst es kein Heu, also schiebt nichts den
Nahrungsbrei durch den Darm.
Der zweite Punkt ist die Stärke, sie wird in Zucker umgewandelt. Über die Jahre hinweg wird
dadurch der Darm geschädigt. Außerdem treten im Alter Herzerkrankungen aufgrund falscher Ernährung
gehäuft auf.
Wer will das seinem Tier antun?
Frischfutter gibt es mindestens 10% vom Körpergewicht. Also für ein kleines, zierliches Meerschweinchen von nur 800g müssen es am Tag mindestens 80g Salat und Gemüse sein. Da Meerschweinchen grundsätzlich in Gruppen auftreten, nehmen wir mal an, der kleine Hänfling lebt mit einer 1400g Rampensau zusammen. Diese bekommt 140g Frischfutter und somit ganze 60g mehr. Beide zusammen sollten nun mindestens 220g Frisches bekommen, gern dürfen es aber auch 250g für beide zusammen sein. Dass jeder seine eigene Menge frisst, kann man in Gruppen nicht garantieren, es sollte genug für alle da sein.
Praxis: Einmal die Futtermenge abwiegen, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wieviel oder wie wenig das eigentlich ist. Und das Wiegen bei Gelegenheit wiederholen, um das Gefühl aufzufrischen.
Trockenfutter betrachten wir als Leckerei. Im Winter, wenn wir nicht mal eben ein Stück Melone oder eine Erdbeere oder ... als Leckerei den Meerschweinchen zustecken können, dann füttern wir gern ein Hand voll für 3 Tiere von unserem Mix. Den Mix findet ihr dann auch auf der Seite Trockenfutter.
Altersgerechte Ernährung
Junge Tiere, trächtige Weibchen
neben sehr viel gutem Heu brauchen sie Calcium für das Knochenwachstum und ausreichend Vitamine wie Meerschweinchen aller Altersklassen. Hier gilt also, dass die ausgewogene Ernährung Futtermittel wie Fenchel, Brokkoli und Löwenzahn, aber auch Möhrenkraut und Küchenkräuter ruhig mehrmals wöchentlich enthalten darf. Gesund sind auch Kohlrabiblätter.
Keine Petersilie für tragende Weibchen!
Von Krankheit genesende Meerschweinchen
benötigen energiereicheres Futter. Hierzu zählen Möhren, Äpfel, frische Wiese, auch Sonnenblumenkerne und ein bisschen Schweine-Pizza (siehe Trockenfutter) sind willkommen. Je nach Erkrankung kann man mit einer speziellen Diät das Gesundwerden unterstützen. (Brei und Diät) Natürlich müssen auch sie bestes Heu erhalten.
erwachsene Meerschweinchen
brauchen einfach nur eine ausgewogene Ernährung. Neben sehr viel gutem Heu sollen sie täglich eine Gemüsemischung erhalten. Ob ihr morgens eine Gemüseart füttert und nachmittags eine und abends eine oder zweimal am Tag eine Kombination ist fast egal. Es sollten mehrere Frischfuttermahlzeiten sein, nicht alles auf einmal und ihr passt ein wenig auf, was ihr zusammen gebt. So darf Fenchel nicht mit Chiccoree gefüttert werden.
Obst ist natürlich weiterhin eine willkommene Abwechslung. Nur nicht zuviel, da Fruchtsäuren zu Erkrankungen, wie Lippengrind, führen können.
alte Meerschweinchen
entwickeln häufig plötzliche Unverträglichkeiten. So blähen sehr viele ältere Tiere bei sonst gewohntem Futter. Vor allem Salate wie Eisberg, Krauser und Chiccoree sind bei häufigen Blähungen wegzulassen. Außerdem haben wir auch festgestellt, dass Paprika oftmals nicht mehr vertragen wird.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Calcium. Der Bedarf ist deutlich reduziert. Futtersorten wie Fenchel und Brokkoli sollten seltener gegeben werden, sie führen oft zu Urin, der wie Kreide trocknet. Wenn ihr die Tiere mal auf ein dunkles Tuch setzt und pieseln lasst, könnt ihr deutlich sehen, ob und nach welchem Futter dies passiert.
Küchenkräuter gibt es nun nur noch zu besonderen Anlässen auch Möhrenkraut und Kohlrabiblätter. Ausnahme ist Löwenzahn frisch von der Wiese. Da in ihm viel Flüssigkeit vorhanden ist und er eine harntreibende Wirkung hat, wird der hohe Ca-Anteil gleich wieder ausgespült.
Vitaminquellen

Wenn trotz ausgewogener Ernährung mit Heu und verschiedenen Gemüsesorten doch einmal eine Erkrankung aufgrund von Vitaminmangel entstehen sollte oder ein Meerschweinchen ein Vitamin vermehrt benötigt, können folgende Vitaminquellen genutzt werden. Damit keine Verwirrung entsteht: Getreide wird hier mit aufgeführt, ist kein Futtermittel!, aber als Medizin in geringen Mengen einsetzbar.
- A (Retinol): Feldsalat, Spinat, Möhren, Paprika, Aprikosen, Kirschen, Grapefruits, Rote Beete, Fenchel, Petersilie
- Beta-Carotin: rote Paprika, Spinat, Möhren, Feldsalat, Aprikosen
- E (Tocopherol): Weizenkeime, Sonnenblumenkerne
- K: Kopfsalat (vorsicht Nitratgehalt sehr hoch), grünes Gemüse
- B1 (Thiamin): Vollkorn (Getreide - Hafer, Gerste, Roggen - oder Reis, bei denen nur Spelzen und Schale fehlen)
- B6 (Pyridoxin): Bananen (Dickmacher)
- Folsäure: Feldsalat, Spinat
- C (Ascorbinsäure): schwarze Johannisbeeren, Paprika, Kiwi, Orange, Erdbeeren, Löwenzahn
Praktisch Ca:Ph(:Mg)
Wir rechnen ungefähr einmal im Jahr so ein typisches Frischfutter-Buffett von uns durch. Dann wissen wir wieder, ob wir etwas ändern müssen und richten uns danach. Ständig rechnen, lehne ich persönlich ab, Tierhaltung muss Spass machen und wenn ich jedes Leckerli berechnen soll, macht mir das keinen Spass mehr.
Trockenfutter geben wir ausschließlich als Leckerei, weswegen wir das bei Futterrechnungen nicht berücksichtigen. Wer Außenhaltung hat und den Tieren im Winter das fett- und energiereiche Futter gibt, muss dieses natürlich berücksichtigen.
Das Verhältnis der Mineralien im Frischfutter
Beim Frischfutter muss neben der Menge auch das Mineral-Verhältnis berücksichtigt
werden. In der Tabelle sind ein paar Gemüsesorten aufgeführt. Verlässliche
Zahlen zu erhalten, ist sehr schwierig. Einerseits schwankt der Mineral-Gehalt
von Ernte zu Ernte, was von Boden, Düngung und vielen anderen Faktoren abhängig
ist, andererseits stehen in Büchern verschiedene Werte. Daher sind die aufgeführten
Werte als Richtwerte zu betrachten. Für Fenchel könnt ihr nun rechnen
Ca:Ph=1,09:0,51=2,14∼2,1, das Ergebnis ist das Verhältnis. Füttert ihr nun also
50% Fenchel und 50% Möhre zum Abendbrot, dann rechnet ihr: Ca:Ph von Fenchel
+ Ca:Ph von Möhre und teilt das durch 2. Also (2,1+1,2):2=1,6
und das ist ein fast perfektes Fresschen, denn angestrebt wird ein Verhältnis von 1,5.
| Heu* | Fenchel | Brokkoli | Löwenzahn | rote Beete | Kohlrabi | Sellerie | Möhre | Apfel | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Calcium | 0,26% | 1,09% | 1,58% | 0,29% | 0,67% | 1% | 0,41% | 0,08% | |
| Phosphor | 0,22% | 0,51% | 0,70% | 0,45% | 0,40% | 0,48% | 0,35% | 0,11% | |
| Natrium | 0,07% | 0,86% | 0,08% | 0,86% | 0,20% | 1,32% | 0,60% | 0,03% | |
| Kalium | 1,89% | 4,94% | 4,20% | 3,36% | 3,60% | 3,44% | 2,90% | 1,40% | |
| Magnesium | 0,12% | 0,50% | 0,36% | 0,01% | 0,30% | 0,12% | 0,18% | 0,06% | |
| Vitamine | A , B1, B2, B12, C, E | A, B1, B2, C | A, C | C, B1, B3, B6, FS | C, Carotin | C, E, B6 | |||
| Ca:Ph (optimal 1,5) | 1,2 | 2,1 | 2,3 | 0,6 | 1,7 | 2,1 | 1,2 | 0,7 | |
| Ca:Ph:Mg (opt. 4:2:1) | 2,2:1,8:1 | 2,2:1:1 | 4,4:1,9:1 | 29:45:1 | 2,2:1,3:1 | 8,3:2,7:1 | 2,3:1,9:1 | 1,3:1,8:1 | |
| Energie (kcal/100g) | 7,7 Mj | 25 | 25 | 16,7 | 51,9 |
*Beispiel
Ihr könnt diese Tabelle mit weiteren Futtersorten als PDF laden: Futter.pdf
In der Tabelle ist noch das optimale Verhältnis von Ca, Ph und Magnesium angegeben, auch hier kann man sich Futter zusammenstellen, welches ungefähr die Vorgabe erfüllt.
Knabberstangen, Dropse
Knabberstangen, Dropse, Knabberherzen, Knabberbiscuits und ähnliche Produkte für Nager können, wenn man drüber nachdenkt, gar nicht gut für unsere Racker sein. Denn, was das Kaninchen frisst, ist noch lange nicht gut für ein Meerschweinchen.
Wenn du versuchst, dich von Heu zu ernähren, dann wirst du zwangseingewiesen. Wie also solltest du Meerschweinchen füttern?
Die Bedürfnisse sind so verschieden wie die Tierarten. Hamster mögen
Mehlwürmer, Meerschweinchen nicht. Kaninchen bilden Vitamin C, Meerschweinchen
nicht. Bienen ernähren ihre Jungen mit Honig, Meerschweinchen nicht.
Kuhmilch unterscheidet sich deutlich von Meerschweinchenmilch. Und erwachsene
Meerschweinchen trinken keine Milch, sie leben vegan. Und nu?
Nix. Kein und nu. Die Tiernahrungsproduzenten werden irgendwann
tiergerechte Leckerlis in die bunten Kartons packen. Schneller wird das gehen, wenn du
das Zeugs einfach mal im Laden lässt.
Und wenn nicht? Ganz einfach: Stärke wird in Zucker umgewandelt, Zucker ist eh dabei, Honig und Milch sind tierische Produkte - all das schädigt den Darm. Über Jahre und dauerhaft. Das Getreide-Zeugs schädigt die Zähne. Im Alter kommen Erkrankungen des Herzens dazu. Aber wahrscheinlicher ist es, dass das Meerschweinchen das Alter nicht erreicht. Dank dir.
Kraut und Chips
Auf der Trockenfutter-Seite findet ihr, was wir gern als Leckerei anbieten. Kräuter sind meist sehr reich an Mineralien. Hier sollte man eher einen kleinen Kräutergarten sein eigen nennen und nur in sehr geringen Mengen getrocknete Kräuter verfüttern. Chips - oh, Gemüsechips, damit kann man spielen. Findet raus, welche Sorten eure Schweins gern haben und dann befüllt damit den Snackball, knüllt es in Packpapier, befüllt das Öttbrett, lasst Schweins sich ihre Chips spielerisch erarbeiten. Unter Einrichtung Spielen findet ihr dazu auch Anregungen.
Novella Calow