Meerschweinchen sind Rudeltiere. Jedes Rudel hat seine eigene Rangordnung. Kommt ein neues Tier hinzu, muss es seinen Platz darin finden. Aber auch Tiere, die schon länger beieinander sind, kämpfen in bestimmten Situationen die Rangfolge neu aus. Ich will hier meine Beobachtungen bei Böckchen schildern.
InhaltDie Vergesellschaftung
muss in einem allen Tieren unbekannten, interessant eingerichteten Terrain
erfolgen.
Möglichkeiten
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1998 kamen die Babyschweinchen Schlawiner und Dumpfbacke zu mir. Die ersten Monate gab es maximal spielerische Kämpfe, Zähneklappern war eine Unbekannte. Als sie in die Rappelphase kamen (Pubertät mit etwa 5 Monaten), klärten sie ihre Rangordnung binnen Stunden. Bei zwei Meerschweinchen geht es meist schnell und harmlos ab. Nach der Klärung war Zähneklappern wieder eine Unbekannte. |
Schlawi (bunt) zeigt Dumpfi (weiß) die Kehle auch im Alter. |
Eine Hand voll Böckchen vielleicht gerade mal 300g schwer wirkt gegen einen ausgewachsenen Meerschweinchenbock von eventuell 1200g winzig. Und obwohl die riesen Masse auf den Winzling drauf springt, wird dem Babyböckchen nichts passieren. Wenn man noch soviel mit dem Kleinen fühlt, eingreifen sollte man nicht. Babies sind sehr schnell und suchen ihr Heil in der Flucht. Das Bespringen dauert auch nur einen Tag bis eine Woche, dann hört das auf.
Fotos vom Kennenlernen Rottes und
Dumpfbackes. Da Rotte bereits 3 Monate alt und Dumpfbacke ein Leichtgewicht
war, sieht man hier keinen so deutlichen Unterschied, wie das in der Regel solcher
Vergesellschaftungen jedoch der Fall ist.
Die beiden lernten sich in einem provisorischen Auslauf im Flur kennen, der
nur für diese Situation aufgebaut wurde und somit beiden unbekannt war.
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| Ups, da läuft ja noch ein Schwein. | Eine Runde hinterher rennen bitte. |
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| Im Kreis laufen? ... | ... Nee, weg hier. |
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| Ah, eine schmale Passage, ab und durch. | Mist, jetzt hat er mich doch. |
J-C Schach (1 Jahr) wurde in seiner
2. Rappelphase für die Gruppe untragbar. Er lebte dann mit Rotte zusammen, den
er unterdrückte. Beide konnten einander nicht leiden. Da J-C Schach nach Möhrwin
(wahrscheinlich 10 Monate) rief und auch Möhrwin Interesse an Schach zeigte
durch den Zaun, probierten wir es aus.
Zu beachten ist, dass beide Bockgruppenerfahrung mitbrachten. Beide lernten
während ihrer Rappelphasen akzeptables Sozialverhalten gegenüber Geschlechtsgenossen.
Unerfahrene Böcke über 9 Monate Lebensalter können eher selten miteinander umgehen.
Wir setzten beide gleichzeitig in ein Provisorium von etwa 1,5 qm. Die ersten
45 Minuten passierte nichts. Möhrwin sass in einem Haus, Schach frass. Dann
putzte Schach sich und ging zu Möhrwin. Nach etwa einer halben Minute flog das
Haus ein Stück und Schach hetzte heraus. Weitere 45 Minuten später startete
Schach seinen zweiten Versuch. Möhrwin flüchtete auf den Heuhaufen hinauf. Schach
näherte sich mehrmals schüchtern an, zuckte bei Bewegung von Möhrwin jedoch
sofort zurück. Ein querstehender Heuhalm erschreckte beide. Nach 3 Stunden lagen
sie gemeinsam im Haus.
Am dritten Tag zogen sie in die Zicken-Suite um. Gemeinsam unter der Ebene ruhten
sie nicht, es gab aber auch keine Kämpfe, von gelegentlichem Brommseln abgesehen,
herrschte Eintracht. Nach 8 Tagen begannen sie sich ab und zu zu jagen. Im Laufe
der folgenden Monate begannen immer häufiger Kämpfe zwischen ihnen, die auch
immer aggressiver geführt wurden. Nach drei Monaten trennten wir die beiden,
da ein friedliches Zusammenleben nicht entstand.
J-C Schach ist nun lammfromm mit einem Mädchen zusammen, wohl die einzige Variante
für ihn und Möhrwin lebt mit Rotte Wumm.
Rotte Wumm (9 Monate) und Möhrwin (ca. 14 Monate) lernten sich irgendwo im Wohnzimmer kennen, als sie gemeinsam Auslauf bekamen. Nach mehreren Stunden zogen sie in ein neues dreistöckiges Gehege von 1,6qm ein. Rotte Wumm verschwand sofort aus Möhrwins Blick. Eigentlich begegneten sie sich nur außerhalb ihres Geheges beim täglichen Auslauf. Am dritten Tag begann die eigentliche Vergesellschaftung. Möhrwin beschloss, Rotte Wumm kein eigenes Revier zu geben, sondern mit ihm die Ränge für ein Zusammenleben zu klären. Mit zunehmenden Pausen jagte Möhrwin Rotte über die Ebenen. Rotte Wumm, ein ängstlicher Bock, flüchtete. Gelegentlich stellte er sich der Auseinandersetzung. Er hob dazu den Kopf und öffnete das Mäulchen, als ob er beißen wolle, hütete sich aber, es zu tun. Manchmal zeigte er auch deutlich die Kehle mit geschlossenem Mäulchen. Möhrwin seinerseits sprang ihm in den Nacken, auf den Po und rang regelrecht mit ihm, jedoch ebenfalls ohne zu beißen. Nach ein paar Stunden lagen sie gemeinsam, Körper an Körper mit der Längsseite unter der Hängematte und zur Nacht in einem Haus. Es sah nicht wie Bewachung aus, da sie nicht Nase an Nase lagen, sondern zwischen ihren Leibern nur etwa ein fingerbreit Platz war. Jagen, Flüchten und gemeinsam Ruhen wechseln sich weiterhin ab, zumal Rotte scheinbar noch nachträglich ein wenig rappelt.
| Möhrwin auf der Jagd | Rotte auf der Flucht |
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Die Erwachsenen lebten seit über
4 Jahren friedlich zusammen. Ihre Rangstrukturen waren gefestigt.
Jona und Max (beide etwa 6 Wochen alt) saßen auf Rufweite in Quarantäne. 5 Tage
nach ihrem Einzug brach Max während unserer Abwesenheit aus dem Quarantänekäfig
aus. Somit verpassten wir den Erstkontakt. Als wir heimkamen, war Max etwas
verschüchtert, aber bereits Mitglied der Gruppe. Jona sass noch im Käfig. Da
die Quarantäne durch Max Ausbruch überflüssig wurde, setzten wir Jona in die
Gruppe. Ausschließlich Dumpfbacke interessierte sich für ihn. Er bestieg und
jagte ihn während der ersten drei Tage.
| Jona drehte den Spiess oft um, wie ihr seht, in dem er versuchte, Dumpfbacke zu bespringen. Das Bild ist durch die Bewegung leider unscharf geworden. | ![]() |
Jona verstarb mit etwa 3 Monaten, wir hätten gern seine Entwicklung verfolgt. |
Da Jona verstarb und Max (4,5 Monate) niemanden zum Toben hatte, die beiden Alten (4,5 Jahre) mochten ein gemächlicheres Tempo, zog Schach (4 Wochen) ein. Dumpfbacke besprang ihn einmal. Max begann Rangkämpfe mit Dumpfbacke (siehe Rappelphase-Eifersucht). Schach und Schlawiner hielten sich aus allem raus, gingen während der Kämpfe auf Tauchstation. Schlawiner noch mehr als Schach. Dass Schach ein Neuzugang war, fiel nicht auf. Dumpfbacke leckte ihm die Ohren und den Po, verscheuchte jedoch Max, wenn dieser seinerseits Kontakt zu Schach aufnehmen wollte. Schach wiederum ließ sich lecken und schleckte von sich aus Schlawiner das Ohr. Zwischen den Alten und dem Babybock herrschte eine Art Zärtlichkeit, während Max auf Kampf ging.
SeitenanfangAm 13. Mai 2003 begann unsere erste Vergesellschaftung bereits erwachsener Böcke. Den Auslauf gestaltete ich vom Untergrund bis zur Einrichtung komplett neu. Überall wurden Leckerein ausgestreut und versteckt. Die Alteingesessenen gingen auf Erkundung, während Möhrwin (wahrscheinlich 5-7 Monate) nach und nach alle Böckchen beschnupperte. Als er Schlawiner (5 Jahre, 6 Monate) besteigen wollte, wehrte dieser sich. Der Krach weckte Chefschwein Mäxchens (11 Monate) Neugier. Nach drei Runden miteinander Ringen schob Möhrwin ab, Max hatte sich behauptet. Dumpfbacke (5 Jahre, 5 Monate) hielt sich raus, Schach (8 Monate) war an Möhrwin interessiert, Möhrwin jedoch nicht an Schach, das blieb friedlich. Schlawiner hielt sich ebenfalls raus, verteidigte nur sein Futter. Mitunter hatten wir in der Folgezeit dennoch 5 Kampfböcke in einem Knäuel vereint, welches sich nach Sekunden auflöste und in Jagden - Möhrwin/Max, Schach/Dumpfbacke, Schlawiner/Tauchstation - endete.
| Nach etwa drei
Tagen war der Spuk zu Ende. Viel Jagen, viel aggressives Gebaren bei den
Schweins und angeschlagene Nerven bei mir. Dann sah es so aus, als ob Möhrwin
mit jedem in der Gruppe könnte. Er wohnte die ersten Tage im Auslauf und
unternahm nach und nach erste Ausflüge in das Gehege. Die kahle Stelle ist noch vom Milbenbefall, den sein vorheriger Halter nicht behandeln ließ. |
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In das komplett umgestaltete Gehege
setzten wir zuerst Rotte (7 Monate), danach die anderen 3, Schlawiner (5 Jahre,
11 Monate), Dumpfbacke (5 Jahre, 10 Monate) und Max (1 Jahr, 4 Monate), in der
Reihenfolge, in der wir sie zu fassen bekamen. Sie stürzten sich komplett auf
das Futter. An Rotte wurde nur im Vorbeigehen mal geschnuppert, Rotte selbts
hielt ein wenig Abstand, brommselte niemanden an und klapperte auch nicht mit
den Zähnen. Es wäre möglich, dass dies so verlief, weil die drei mehrfach Erfahrungen
mit Neuzugängen sammeln konnten, Rotte von Selbstvertrauen keine Spur zeigt
und alle bereits seit über einer Woche Schnupperkontakt durch einen Zaun hatten.
Der erste Tag verlief ruhig, Rotte durfte mit den anderen futtern. Max und Dumpfbacke
bekamen sich einmal kurz in die Wolle. Rotte blieb dauerhaft in Dumpfbackes
Reich und wurde dessen Rudelmitglied. Max gegenüber zeigte er Respekt und lief
davon. Als Dumpfbacke erkrankte und kurz darauf verstarb, holte Max sich Rotte
als Untertan, was dieser mit grosser Ängstlichkeit quittierte. Die gesamte Vergesellschaftung
verlief ohne Kampf, wenn man von der einen sehr kurzen Klärung zwischen Dumpfbacke
und Max absieht.
Bockgruppen, Rappelphasen, pro Bock
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