Leider leben in Tier-Ratgebern
Fehlerteufelchen. Durch die Erfahrung, dass man manchmal auf die Info aus dem
Buch angewiesen ist, möchte ich hier einige kommentieren, die ich für brauchbar
halte.
Die Zitate sind in Blöcken gefasst, ein Buch = ein Block. So
kann der jeweilige Ratgeber, den man vielleicht vor sich liegen hat, schnell
gefunden werden.
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Artgerechte Haltung - ein Grundrecht auch für Meerschweinchen, Ruth Morgenegg, tb-Verlag, 2. Auflage 2003, ISBN 3952266108 |
"Aber wir empfehlen immer, sie zu kastrieren. Sie (die Böcke A.d.A.) sind dann meist zahmer und friedlicher und die penetrante Ausdünstung fällt weg." (Seite 170)
Immer Gestank - iiih. Also ab unters Messers. Hmpf. 5 Böcke leben hier, vier sind nicht kastriert. Sie leben friedlich miteinander, sind zahm und stinken tun sie schon gar nicht.
"Auch Meerschweinchen-Brüder... sind zu kastrieren... Verzichtet man auf diese Massnahme, so mag das eine Weile gut gehen. Nach ein bis zwei Jahren jedoch kommen die Böcke ins 'Rambo-Alter'; das heisst, dass sie jetzt ihre Grenzen ausprobieren und Konflikte geradezu suchen, ähnlich pubertierenden Kindern."(S.51)
Die Altersangabe widerspricht komplett meinen Erfahrungen von Bockgruppen (Brüder und Nicht-Brüder). Ich kenne dieses 'Rambo-Alter' mit 4,5 und 9 Monaten, in Ausnahmefällen noch einmal mit etwa 15 Monaten, letzteres sehr selten. Es sind Sozialverhalten-Lernphasen, die hart sein können (siehe Bock extra)
Die Kastrationswut, so möchte ich es schon bezeichnen, erklärt sich sicherlich aus den Erfahrungen, die Ruth Morgenegg in der Nagernotstation macht(e). Doch dieser Ratgeber ist der mit Abstand beste, den man zu kaufen bekommt. Vom Preis mag man zuerst abgeschreckt sein (ca. 25 Euro), doch er ist das Geld wert. Mit Bauanleitungen für Außen- und Innengehege, mit Infos rund um Innen- und Außenhaltung, viele wertvolle Tipps ein Meerileben interessant zu gestalten und vor allem eine vernünftige Einstellung zum Tier.
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"Das Meerschwein
unterm Hochbett", Marika Frank PDF-Download bei www.monsterfront.de unter Schreiben |
Dieses Buch ist kein Ratgeber im
herkömmlichen Sinn. Als Tiergeschichte geschrieben, enthält es sehr viel Wissenswertes
über Meerschweinchen, ihre Abstammung, ihre Ernährung, ihre Wohnbedürfnisse,
den Tierschutz und vieles mehr. Die Autorin beschreibt den Alltag mit den Tieren
auf eine spannende Art und Weise, bei der einfach keine Langeweile aufkommen
kann. Mit einer leicht verständlichen, flüssigen Sprache auf 132 Seiten ist
das Buch für Kinder ab ca. 8 Jahren geeignet und für alle anderen Tierliebhaber
natürlich auch.
Egal wo, man muss das Buch bestellen, beim Verlag dirket (www.videel.de) kann
man sich in den Buchshop klicken, "Meerschwein" suchen lassen und bestellen.
Innerhalb von 3 Werktagen klappt es dann meist.
Ein Zitat aus meinem Gästebuch:
Andrea erstellt am 23-04-2005 um 12:38 Uhr
"Besonderen Dank für die Buchempfehlung 'Das Meerschwein unterm Hochbett'. Leider konnte
ich es trotz ISBN nicht über den Buchhandel bekommen. Aber direkt bei Videel.de gings
ruckzuck. Ich habe das Buch gerade in einem Rutsch gelesen und bin begeistert (obwohl
ich schon mehrfach 8 bin :o) ).
Wenn mich mal wieder jemand nach einem Ratgeber über Meerschweinchen fragt, werde
ich dieses Buch auf jeden Fall empfehlen,
weil einfach alle wichtigen Themen auf unterhaltsame Weise aufgegriffen werden.
Die eingestreuten Tipps und Ratschläge sind richtig und wichtig (z.B. Haltung von Boygroups)."
"Mit Erreichen
der Geschlechtsreife verbreitet der Bock einen strengen Geruch, der aber gemildert
wird, wenn Sie das Tier kastrieren lassen." (Seite 16)
Ah ja, sie stinken also? Komisch, dass alle unsere 6 Böcke Ausnahmeerscheinungen
sein sollen, denn die riechen nach Heu oder Gras, worin sie am liebsten liegen.
Die Reinigung einer verstopften Perinealtasche allerdings stinkt fürchterlich
und sie bildet sich nach der Kastration etwas zurück. Vielleicht ist das gemeint?
Aber nein, das betrifft ja die Reinigung einer krankhaft verstopften
Drüse und nicht den Alltag.
Im Gegenteil kann ich aus Erfahrung sagen, dass die Salatfresserchen eher nach
Urlaub auf dem Land duften.
"Zwei alte Männchen
werden sich immer bekämpfen, auch nach der Kastration, wenn diese erst nach
der Geschlechtsreife erfolgt." (Seite 16)
Das "immer" hätte die Autorin besser weggelassen. Die Vergesellschaftung erwachsener
Böcke kann durchaus funktionieren. Wichtig ist, dass beide Böcke vor dem 9.
Lebensmonat das Verhalten gegenüber Geschlechtsgenossen erlernen konnten, damit
sie wissen, wie man einen Kampf beendet und sich unterwirft. Weiter ist der
Charakter der Tiere wichtig und natürlich die individuelle Sympathie füreinander.
Sind beide Böcke sehr dominant, funktioniert es nicht. Wenn allerdings die Voraussetzungen
stimmen und auch genügend Platz vorhanden ist, um sich, wenn nötig, aus dem
Weg gehen zu können, kann die Vergesellschaftung erfolgreich verlaufen. Echte
Freundschaft nicht ausgeschlossen.
"Nur wenn Sie
sich intensiv um das Tier kümmern können und nicht den ganzen Tag wegen Berufstätigkeit
außer Haus sind, fühlt es sich auch allein wohl." (Seite 15)
Auch wenn man den ganzen Tag daheim ist, braucht ein Meerschweinchen immer
einen Artgenossen. Oder können Sie brommseln, quieken, 24h am Tag zur Verfügung
stehen (Einkaufen gehen ist dann natürlich verboten, Kino, Theater, Kneipe oder
bei Kindern Schule und Spielplatz ebenso) und kuschelnd mit dem Schweinchen
schlafen? Haben Sie das gesamte soziale Repertoire von Meeris intus?
Die Autorin schreibt weiter: "Ein einzelnes Tier ist für ein Kind, das sich
einen Spielkameraden wünscht, geeigneter. Es wird schneller zahm, und das Vertrauen,
das sich zwischen ihm und dem Kind als Partner aufbaut, ist dauerhaft."
(Seite 15)
Klar doch, Meerschweinchen brauchen Gesellschaft zum Leben! Werden sie durch
Einzelhaft gezwungen, einen Menschen als Partner zu wählen, müssen sie viele
Ängste ausstehen. Denn Menschen gehen fort. Wie war das: Schule, Spielplatz,
Freibad ...
Beschäftigt man sich mit seinen 2, 3 oder mehr Meerschweinchen, werden auch
diese Vertrauen fassen, auf freiwilliger Basis sogar und individuell verschieden.
Stichwort: Kinder
"Für Kinder sind Meerschweinchen ideal, denn sie bringen alle Voraussetzungen
mit, die sich diese bei Tieren wünschen. Sie sind gesellig, mögen gern gestreichelt
werden ..." (Seite 21)
Gruslig. Von den 4 derzeitigen Salatfresserchen möchte genau einer gestreichelt
werden, ein zweiter kommt ab und zu mal, sich ein paar wenige Streicheleinheiten
abholen. Viele Meerschweinchen möchten nicht geknuddelt werden. Sie ertragen
es geduldig, wenn sie keine andere Chance haben. Wenn man Meerschweinchen streichelt,
sollte man ihnen jederzeit die Möglichkeit bieten, selbstständig das Kuscheln
zu beenden.
"Zwei Weibchen
vertragen sich auf jeden Fall sehr gut." (Seite 15)
Meerschweinchen sind Charaktertiere. Wenn zwei sich nicht mögen, mögen sie sich
nicht und dabei ist es völlig egal, ob es sich um zwei Männchen oder zwei Weibchen
handelt. Wenn zwei Mädels sich ständig streiten, kann man versuchen, einen Kastraten
als Streitbremse dazu zu setzen. Manchmal klappt das und die beiden vertragen
sich etwas besser.
Die in diesem Buch
empfohlenen Käfiggrößen bezeichne ich als Massengrab.
"Der Käfig sollte mindestens eine Fläche von 40 x 80 cm haben ... Für zwei
oder mehr Meerschweinchen muß der Käfig entsprechend größer sein, mindestens
jedoch 80 x 80 x 45 oder noch besser 100 x 40 x 35 cm ..." (Seite 44f)
Zum Wohlfühlen und Tollen ist pro Nase eine Fläche von 0,5 m² nötig, wenn sehr
viel Auslauf (minimum 8 Stunden) gewährt wird, eventuell 0,25 m².
Mehr ist mir beim Durchblättern jetzt nicht sofort aufgefallen.
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Mein Meerschweinchen und ich, Immanuel Birmelin, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München, unklare Angabe der Auflage, vermutlich 1. Auflage, 2000 |
"Ich schlage vor, die Kastration erst dann vorzunehmen, wenn die Meerschweinchen einmal Nachwuchs gezeugt haben. Es ist für die Tiere biologisch sehr wichtig, sich fortzupflanzen." (Seite 19)
"Biologisch sehr wichtig" ist für mich kein Argument, weil zu allgemein. Meerschweinchenböcke können selbst vor Erreichen der Geschlechtsreife kastriert werden. Diese "Eunuchen" mögen mitunter dann auch in einem Rudel leben, in dem es bereits einen Chefbock gibt.
Auch bei diesem Buch war es das schon. Es ist besonders für Kinder empfehlenswert, da die vielen Ausklapptafeln und Fragebögen die Fantasie anregen und spielerisch für das Kennenlernen der meerschweinischen Bedürfnisse sorgen.
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Meerschweinchen, Dietrich Altmann, Eugen Ulmer GmbH & Co., Wollgrasweg 41, 70599 Stuttgart, 2. Auflage, 1997 |
"Ein oder auch mehrere Meerschweinchen
benötigen einen Käfig,... Grundfläche von etwa 80x60 cm hat." (Seite 5)
Da kommen wir auf 0,48 qm, für wieviele Meerschweinchen soll das reichen? Maximal
für zwei, allerdings nicht, wenn der Text so weiter geht:
"Über Auslauf in der Wohnung und bei geeigneter Witterung vielleicht auch im
Garten freut sich das Meerschweinchen, er ist jedoch nicht zwingend für die
Haltung." (Seite 5)
Meerschweinchen sind Bewegungstiere, eine Haltung von 2 Meerschweinchen auf
80x60 cm ohne Auslauf wird die Tiere wesentlich aggressiver werden oder aber
in Langeweile dahin vegetieren lassen (fressen, schlafen, fressen - kein Meerschweinchenleben).
"Wenn man nur ein Meerschweinchen
halten will und es auch dabei bleiben soll, spielt das Geschlecht im Prinzip
keine Rolle." (Seite 5)
Das ist absolut korrekt, nur hält man Meerschweinchen keinesfalls alleine. Sie
sind Rudeltiere und für Einzelhaltung absolut nicht geeignet.
Was die erste Seite vermuten lässt, bewahrheitet sich nicht. Das Buch ist ansonsten aus meiner Sicht soweit in Ordnung. Nur die immer wieder erwähnte, mögliche Einzelhaltung sträubt mir das Nackenfell.
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Meerschweinchen, Homöopathie und Kräuteranwendung, Dr. Alois Weber, Ennsthaler Verlag, Steyr, 2. Auflage, 1999 |
Zu den Homöopathika kann ich freilich nichts sagen, aber der Autor lässt sich auch zu Haltung und Fütterung aus und in diesem Bereich liegt mein Aufbegehren.
"Obwohl Meerschweinchen in freier
Natur in Rudeln leben, können in Wohnungen auch Einzeltiere problemlos gehalten
werden." (Seite 16)
Für den Menschen gibt das tatsächlich keine Probleme, aber das Meerschweinchen
verkümmert ohne Artgenossen.
"Die Haltung von zwei Meerschweinchen-Männchen
ist wege der Rangordnungskämpfe eher problematisch. Hat man zwei Meerschweinchen-Männchen
erworben, ist bei Erreichen der Geschlechtsreife eine Kastration notwendig."
(Seite 16)
Ich wiederhole mich, ich weiß. Aber Böckchen können bei ausreichendem Platzangebot
fast immer gemeinsam leben ohne Kastration. Wobei es bei zwei Tieren noch seltener
Probleme gibt als in größeren Bockgruppen. Und natürlich folgt im Text das nächste
übliche Vorurteil:
"Auch wenn man nur ein Meerschweinchen-Männchen besitzt, sollte dieses kastriert
werden, weil unkastrierte Männchen nach dem Erreichen der Geschlechtsreife einen
strengen Geruch verbreiten, der durch die Kastration vermieden werden kann."
(Seite 16)
Wenn man nur ein Böckchen hält, sollte es kastriert werden, weil dann ja sicherlich
mindestens ein Weibchen mit ihm lebt. Gestank? Selbst feine Nasen merken davon
nichts, wenn die hygienischen Verhältnisse in Ordnung sind. Wenn das nicht der
Fall ist, dann stinken übrigens auch Weibchen.
"Hartes Brot zum Abnagen ist ebenfalls
ratsam." (Seite 17)
Pech nur, dass hartes Brot bei Kontakt mit Speichel breiig wird und keinesfalls
dem Zahnabrieb dient. Es enthält übermässig Stärke und Zucker, was der Gesundheit
abträglich ist. Außerdem füllt es das Meerschweinchen-Bäuchlein, so dass zu
wenig Heu aufgenommen wird, was zu eventuellen Verdauungsstörungen führen kann.
Ohne Darmperistaltik sind Meerschweinchen auf den Transport durch Nachschub
angewiesen, der durch Rohfaser (Heu) gewährleistet wird.
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Mehr über Meerschweinchen, Ilse Pelz, Verlagshaus Reutlingen - Oertel + Spörer, 1995 |
In diesem Buch geht es vor allem um Zucht. Ein guter Einblick in die Meerschweinchen-Genetik wird gewährt, in die Rassen und alles, was Zuchteinsteiger bereits zu Beginn wissen sollten. Auch "alte Hasen" finden hier sicher Neues. Für Liebhaber ist das Buch weniger geeignet.
Bis auf das Plädoyer für Trockenfutter - keinerlei Widerspruch.
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Meerschweinchen, Dr. Günter Schmidt, Philler Verlag München, 1973 |
Keine Zitate aus
diesem Heftchen der Lehrmeister Bücherei. Bei 45 Seiten auf DIN A6 käme ich
aus dem Widersprechen nicht mehr heraus. Aber kein Wunder, dieses Büchlein ist
30 Jahre alt. Mittlerweile wissen die Menschen wesentlich mehr über die Ansprüche
von Meerschweinchen. Meeris wurden immer beliebter, immer häufiger werden sie
gehalten und somit steigt unser Erfahrungsschatz.
Bücher, die wir heute erwerben, sollten aktuell sein. Und Bücher, die wir morgen
kaufen, müssen ganz sicher nicht von heute sein. Erfahrung und Wissen vermehren
sich wie Mäuse. Wissenschaftlich fundierte empirische Beobachtungen, zufällige
Entdeckungen, (Spät-)Folgen der heutigen Haltung und Fütterung, Veränderungen
durch spezielle Züchtungen und sogenannte "Zivilisationskrankheiten" sorgen
dafür, dass ältere Ratgeber noch immer schöne Bilder besitzen, aber veraltete
Informationen.